Tradition oder Leben

Dieser Bericht entstand in Seoul. Es war der Sonntag Lätare: Freuet euch! Mit Freude hatte dieser Tag begonnen. * Zufallsbild *Die Tageslese behandelte die Gestalt Abrahams: "Er wußte aufs allergewisseste, daß, was Gott verheißt, das kann er auch tun" "Er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern war stark im Glauben und gab Gott die Ehre." Es war eine wunderbare Zurüstung aus Römer 4.
In der zweiten Etappe schien dieser Sonntag keine Freude zu bringen. Um halb fünf Uhr in der Frühe wollte ich das CVJM-Hotel verlassen, um zur Gebetsstunde von Dr. Han zu gehen.
Ich wohnte im siebten Stockwerk. Der Fahrstuhl war noch nicht in Betrieb. So stieg ich die Treppen hinab. Zwischen dem sechsten und fünften Stockwerk war eine eiserne Tür, die verschlossen war. Zurück ins Zimmer! Ich telefonierte zur Rezeption. Lange keine Antwort! Endlich eine verschlafene Stimme. "Bitte öffnen Sie mir, ich möchte zur Young Nak Kirche gehen" Ein unwirsches Brummen war die Antwort. Ich wartete, lief wieder zum Fahrstuhl. Nichts rührte sich. Zurück! Ein zweites und drittes Telefonat. Endlich klappte es. Der aus der Ruhe aufgescheuchte Portier ließ mich zur Hintertür hinaus und schloß sofort hinter mir zu. Ich stand auf dem Hof des Hotels.
* Zufallsbild *Zweiter Akt. Alle Türen vom Hof zur Außenwelt waren geschlossen. Der Nachtwächter war nicht auffindbar. Ich fühlte mich wie auf einem Gefängnishof. Hohe Mauern umgaben mich. Ich dachte an die Zeit, da mich der Russe hinter solche Mauern gesteckt hatte.
Da sah ich im Keller Licht. Also runter in das Subterrain, sogar bis in das zweite Untergeschoß! Riesige Heizöfen spuckten Wärme aus. Ein Maschinist saß davor. Ich redete ihn englisch an. Er verstand nichts. Und ich verstand nicht sein Koreanisch. Ich zeigte ihm meine Bibel und bedeutete ihm mit einer Handbewegung, daß ich aus dem Haus gehen wollte. Er zeigte auf das Häuschen des Nachtwächters. Wieder mit Gesten beschrieb ich ihm, daß der Nachtwächter nicht da sei. Er begriff. Er zog los und suchte den Mann mit dem Schlüssel. Wir fanden ihn.
Bei diesem umständlichen Manöver dachte ich: "Was will das im Brandfall werden? Da kommt doch niemand mehr heraus!" In der Tat waren ein Jahr zuvor in einem so verriegelten Großgebäude 29 Menschen verbrannt, wie ich hinterher erfuhr. Ich hatte jedenfalls eine halbe Stunde gebraucht, um aus diesem CVJM-Hotel herauszukommen. Zu Fuß hätte ich jetzt die Gebetsstunde nicht mehr erreicht. Ein Taxi hielt an. Zum Abschied betrog mich der Fahrer. Sein Taxameter hatte nicht funktioniert. Das ist häufig so, wenn Asiaten Ausländer zu fahren haben.
* Zufallsbild *Mit zehn Minuten Verspätung schaffte ich es. Gebetsstunde von fünf bis sechs Uhr morgens. Wie oft im Monat? Nun, wir kennen inzwischen koreanische Gebetssitten. Nicht einmal im Monat, nicht einmal in der Woche, sondern jeden Morgen! Es gibt in der westlichen Welt kaum Gemeinden, wo es das gibt. Wirklich? Ich kenne einen Pfarrer, der jeden morgen um 6 Uhr mit Arbeitern in der Kirche zu einer kleinen Morgenfeier zusammenkommt. Diese Feier dauert zehn Minuten. Einstündige Gebetszeiten jeden Morgen entdeckte ich in keiner westlichen Kirchengemeinde.
In der Young Nak Kirche, vielmehr in einem Nebenraum, waren hundert Beter da. Dr. Han selbst leitete diese Gebetsstunde. Am Schluß stellte er mich seinen Betern vor. Beim Hinausgehen dachte ich, nun wäre nach all den Strapazen des Hotelerlebnisses ein Frühstück fällig. Ich bekam es. Worin bestand es? Dr. Han brachte mich in eine andere Kapelle neben seiner großen Kirche. Dort war die zweite Gebetsgruppe, die von 6 bis 7 Uhr zusammen war. Wie oft kommt diese Gruppe zusammen? Genauso jeden Morgen!
* Zufallsbild *Man mag vielleicht denken, das hätte mich ermüdet. Nein, ich verstand kein Koreanisch, aber ich spürte die geistliche Atmosphäre und hatte meine eigene Gebetszeit.
Der Gottesmann erläuterte mir dann die verschiedenen Sonntagsdienste. "Um 7 Uhr ist der erste öffentliche Gottesdienst. Da Sie im Hotel kein Frühstück hatten, unterbrechen Sie bitte die zweite Gebetsstunde und kommen Sie rüber ins Pfarrhaus." Um halb sieben kam dann mein Magen zu seinem Recht.
Um 7 Uhr saß ich dann im ersten Frühgottesdienst. Die Kirche faßt 2200 Menschen. Und sie war schon um 7 Uhr voll. Der zweite Gottesdienst war um 10 Uhr. Wieder staunte ich bei diesem Gemeindewunder. Die Kirche abermals voll! Der dritte Hauptgottesdienst um halb 12 Uhr. Und der Besuch? Kein Platz mehr zu bekommen. Es ist der Gottesdienst, der von Ausländern besucht wird, weil die Predigt über eine Mithöranlage ins Englische übersetzt wird.
Parallel zu den Hauptgottesdiensten finden die Jugendgottesdienste statt, die von rund 2000 Kindern und Jugendlichen, nach Alter getrennt, besucht werden.
Am Abend versammelte sich die Gemeinde zum sechsten Mal. Faßt man alle Gottesdienste einschließlich der Jugendversammlungen an einem einzigen Sonntag zusammen, so ergibt sich in dieser einen Gemeinde ein Besuch von rund 12 000 Menschen. Es gibt in der weiten Welt keine Gemeinde mehr, die das aufzuweisen hat.
* Zufallsbild *Was ist wohl das Geheimnis dieser Gemeinde? Der Zuhörer wird nicht rhetorisch über den Intellekt angegangen, sondern durch den Heiligen Geist in die Gegenwart Gottes gestellt. Das ist die Frucht der koreanischen Erweckung.
Billy Graham hat hier vor Jahren evangelisiert. Beim Weltkongreß für Evangelisation in Berlin äußerte er sich darüber: "Wer die Young Nak Gemeinde noch nicht erlebt und sie noch nicht beten gehört hat, der weiß nicht, was eine Gebetsversammlung ist."
Ist es nicht ein gewaltiges Geschenk Gottes; daß diese Erweckung in Korea jetzt schon über sechzig Jahre anhält? Sie ist noch nicht zur toten Maschinerie, zur leeren Tradition erkaltet. Es ist immer noch blühendes Leben da.
Eine solche Auslegung des Sonntags Lätare hatte ich bisher noch nicht erlebt. Freuet euch!

Buchvorstellung

Band 1 von Bärbel Koch.

Themen: Vom Schwerenöter zum Gotteskind, Leidensweg eines Alkoholikers, Homosexualität.

96 Seiten, 4,00 €

Leseprobe:

Der erste tiefe Einschnitt in Donavans Leben, der nachhaltigen Schaden anrichtete, ereignete sich im Kleinkindalter, als er von einem Verwandten sexuell mißbraucht wurde. Da er ein hübsches Kind war mit niedlichen schwarzen, krausen Locken, wurde er von der Tante als Mädchen angezogen.

Menschen berichten...

Ein Evangelist predigte: "Es gibt viele Religionen, aber das Christentum ist keine Religion, sondern die Lebenshingabe an Jesus." Einige Monate danach vollzog Juvan den Schnitt mit der Religion der Väter. Jeder Brahmane trägt um den Leib eine heilige Schnur als Zeichen seiner Kaste. Diese Schnur zerschnitt er und ebenso die heiligen Fransen...

Aus dem Buch "undefinedIm Himalaja"

Erweckung

"Gott ist souverän. Aber die Tatsache, dass Gott souverän ist, hebt nicht die Verantwortung des Menschen auf. Gott schenkt Erweckung. Aber wir sind die menschlichen Akteure, durch die Erweckung möglich ist." (Duncan Campbell)

Zitat Dr. Koch

"Das Kreuz von Golgatha ist das große Mahnmal des Sieges und der Befreiung von allen Finsternismächten. Wer zum Kreuz kommt, hat teil an diesem Sieg Jesu Christi."