Irrlehren

Siehe auch: HeimholungswerkFegefeuer, Frommer Aberglaube, Fetischismus, Heiligenkult, Jakob Lorber, Spiritismus unter Christen, Frommer Aberglaube, Anthroposophie, Bahaì, Charismatiker, Christliche Wissenschaft, Gesetzlichkeit, Heilungsfanatismus, Islam, Jugendsekten, Katholizismus, Kübler-Ross, Mormonen, Neuapostolische Kirche

Siehe auch PdF-Download aus dem Buch "Okkultes ABC": Konstruktionen  und Purgatorium = Fegefeuer,

Folgende Artikel finden Sie hier:

Konfutse, Buddha und Jesus

Ein Heide war in eine tiefe Grube gefallen und konnte sich nicht befreien. * Zufallsbild *Da kam Konfutse, der chinesische Morallehrer und Philosoph, des Wegs. Der Gelehrte sah den Unglücklichen und gab ihm gute Ratschläge: »Sieh zu, wie du herauskommst. Wenn du das nächste Mal hier vorbeigehst, dann passe besser auf.« Mit diesen Worten schritt er erhobenen Hauptes weiter.

Zwischenruf:
Satan bebt, wenn er den schwächsten Christen kniend sieht.
William Cowper

Nach einer Weile kam Buddha. Er sah den Pechvogel in der tiefen Grube und redete ihn an: »Mein Lieber, arbeite dich bis zum Rande hoch, dann kann ich dir vollends heraushelfen.« Der arme Mann konnte sich aber nicht so weit hocharbeiten. Und auch Buddha setzte seinen Weg fort und überließ den Unglücklichen seinem Schicksal.

Schließlich kam Jesus vorbei. Wieder rief der Verunglückte um Hilfe. Was tat der Herr? Er legte sich flach auf die Erde, neigte den Oberkörper über den Grubenrand, streckte seinen Arm nach unten und bekam die Hand des Unglücklichen zu fassen. In einem Augenblick war dann der Mann gerettet.

* Zufallsbild *Mit diesen drei chinesischen Bildern wird der Unterschied zwischen dem Moralphilosophen Konfutse, dem Selbsterlöser Buddha und dem Heiland der Welt gezeigt. Wir haben damit ein wesentliches Stück der christlichen Botschaft vor uns. Alle Religionsstifter der Weltgeschichte geben moralische Anweisungen, wie der Mensch sich selber helfen soll. Jesus gibt keine Anweisungen, sondern er hilft.

Geistliche Extremisten

Zur Vermeidung von Mißverständnissen bekenne ich, daß ich an alle Gaben des Heiligen Geistes glaube und lehne nur mit ganzer Entschlossenheit menschliche und undefineddämonische Nachahmungen ab.

Extremisten erklärten: "Wenn ihr nicht die Gabe des Zungenredens habt, dann seid ihr nicht mit dem Heiligen Geist getauft."

Dieser Satz ist eine verhängnisvolle Irrlehre, die schon viele Christen zugrundegerichtet hat.

(Siehe auch den undefinedBericht über die Erweckung in Kanada)

Die Würgefeige

 

Der Name sagt schon, daß diese Baumart zu den Feigenbäumen zählt. * Zufallsbild *Welche Bewandtnis hat es mit diesem Baum? Wenn ein Samenkorn der Würgefeige in das Astloch oder in eine Astgabel eines kräftigen Baumes fällt, dann geht dieses Samenkorn von der Feuchtigkeit auf und schlägt seine Wurzeln in die Rinde des Baumes. Die Wurzeln wachsen unheimlich rasch abwärts zum Erdreich. Es entstehen immer neue Wurzeln, die von oben her den ganzen Stamm umgeben und ihn langsam abwürgen und ersticken. Der dickste Stamm geht unter diesem Würgegriff des Schmarotzers zugrunde und vermodert. Der Moder dient dem Parasiten als Nahrung. Zuletzt steht nur der Wurzelkomplex und der sich bildende Stamm der Würgefeige da. Der ursprüngliche Baum ist verschwunden.

Das Bild von der Würgefeige hat aber noch ganz andere Perspektiven. Jede Irrlehre ist ein kleines Samenkorn, das aufgeht, seine Opfer umklammert und langsam abwürgt. Wer sein Herz einmal der Lehre der undefinedMormonen oder undefinedNeuapostolischen oder einer der östlichen Religionen geöffnet hat, der kann sich nicht mehr in eigener Kraft lösen. Er wird umklammert, umstrickt und langsam abgewürgt.

Allversöhnung - Wiederbringung aller Dinge

Siehe auch Heimholungswerk

Wiederbringung aller Dinge

Wir betreten hier ein heiß umstrittenes Problem. * Zufallsbild *Für viele schwäbische Pietisten ist es eine Selbstverständlichkeit, daß Gott über den Tod der Menschen hinaus noch "Heilsveranstaltungen" durchführt, in deren Gefolge auch die Verdammten durch lange Läuterungen geführt werden und zuletzt noch die Seligkeit erlangen. Selbst der Teufel soll da nicht ausgeschlossen sein. Er ist der Schlußstein, daß Gott dann "alles in allen" ist. Wir untersuchen diese Behauptung.

Die vorchristlichen Wurzeln

* Zufallsbild *Helmut Lamparter hat in dem Evangelischen Gemeindelexikon das Problem unter dem Begriff "Allversöhnung" abgehandelt. Er behauptet, die Allversöhnungslehre habe mit Origenes eingesetzt. Das ist eine historische Ungenauigkeit.

Gedankengänge, wie wir sie bei der Allversöhnungslehre vor uns haben, finden sich teilweise schon im Parsismus, in der Theosophie und in der vorchristlichen Gnosis.

Die Wurzeln des Parsismus reichen zurück bis Zarathustra, dessen Leben und Wirksamkeit in dem 8. Jahrhundert vor Christus angenommen wird. Die Zoroastrische Religion ist dualistisch angelegt: Der gute oder kluge Geist kämpft mit dem bösen Geist. Die Exponenten dieser beiden Mächte sind Ahura Mazda, der kluge Geist, und Angra Mainyu, Inbegriff des Bösen. Sie liegen in steter Opposition als Wahrheit und Lüge, Demut und Hochmut, Wohlergehen und Verderben. Beide Mächte sind im Menschen verkörpert und vermischen sich. Endlich siegt das Gute. Hier klingt schon die Vorstellung von einer geistigen Entwicklung an, die bei allen philosophischen Richtungen, die es mit der Wiederbringung aller Dinge zu tun haben, transparent wird.

Der mittelpersische Parsismus (etwa 500-300 v. Chr.) bringt diese Gedankengänge noch detaillierter. * Zufallsbild *Ahura Mazda wird sprachlich zu Ormuzd, Angra Mainyu zu Ahriman. Beide Gottwesen, deren Eigenschaften im Menschen verkörpert sind, stehen in harter Auseinandersetzung, bis der Shaosyant als Heiland und Helfer erscheint und dem Gott der Weisheit und des Guten zum Sieg verhilft. Die Epoche des Kampfes wird durch ihn beendet und damit eine Epoche der Befreiung und "Entmischung von Gut und Böse" eingeleitet.

Im jüngeren Parsismus treten dann Thesen hervor, die wir nur allzugut von der Allversöhnunglehre her kennen. Beim Abschluß des Kampfes kommen die Guten zu Ormuzd, der im Himmel residiert, die Bösen stürzen hinab zu Ahriman, der am Ort der Qualen weilt. Seligkeit und Verdammnis dauern nicht ewig, sondern nur so lange, bis die "Entmischung" von Gut und Böse vollzogen ist. Hier sind klare Wurzeln der Wiederbringung, ehe Christus erschien. Die Wiederbringungslehre spekulativer Christen ist also ein Gewächs heidnischer Philosophie und Religion.

* Zufallsbild *Interessant ist im jüngeren Parsismus auch der Hinweis auf die Läuterungsstufen. Die bösen Menschen erleiden im Reich Ahrimans Martern. Sie müssen durch einen Strom glühenden Metalls hindurchgehen und dabei von allen Sünden geläutert werden. Zuletzt nehmen sie "an der Verklärung im Endwunder" teil. Das ist auch eine Vorwegnahme des Purgatoriums der katholischen Kirche.

 

Eine zweite, noch stärkere Wurzel der Wiederbringungslehre ist die Theosophie. Die Theosophie der vorchristlichen Zeit ist monistisch ausgerichtet, die der christlichen Ära ist dualistisch geprägt. Weil manchen diese Begriffe nicht klar sind, eine kurze Erläuterung.

Der Monismus bedeutet, daß das gesamte Weltgeschehen aus einem einzigen Prinzip abgeleitet wird. * Zufallsbild *Zum Beispiel ist die Allbeseeltheit des Kosmos (Pantheismus) ein solcher Grundsatz. Auch die religiösen Fragestellungen werden im Monismus auf ein einziges Prinzip reduziert. So ist es im undefinedBuddhismus, in der Gnosis, im undefinedJoga, in der Mystik und verwandten Gruppierungen. Im religiösen Sektor kann das heißen: Gott ist Mensch, der Mensch ist Gott. Der Mensch ist mit Gott eine Einheit, er hat nur durch einige Bewußtseinsstufen sich selbst zu entwickeln und damit seine Gottebenbildlichkeit zu entdecken. Ein gutes Beispiel gab Rabindranath Maharaj, der in seinem Buch "Tod eines Guru" mitteilte, daß er sich manchmal vor den Spiegel setzte und sich selbst als Gott anbetete. In den Kapiteln über Joga und undefinedTM sind diese Vorstellungen erläutert.

Der Dualismus nimmt an, daß die Wirklichkeit auf zwei Prinzipien aufgebaut ist. Anthropologisch ist das z. B. die Dichotomie, die Zweiheit von Leib und Seele. Kosmisch kann das heißen: Einheit oder Gegensatz von Makrokosmos und Mikrokosmos. Ethisch stehen wir vor dem Gegensatz: gut und böse, licht und finster. Religiös geht es um Gott und Satan. Das Christentum ist wie der Parsismus dualistisch angelegt. Das darf aber nicht zu dem Kurzschluß in der Bewertung führen. Christus ist nicht mit einem Gott oder Götzen anderer Religionen gleichzustellen, wie es z. B. die undefinedBaha"i getan haben.

* Zufallsbild *Die Theosophie ist ein ungeheures Sammelbecken für viele Philosophien, Kulte und Religionen. In der vorchristlichen Zeit ist die Theosophie vorwiegend monistisch bestimmt. In der älteren Epoche glaubt der Theosoph eine unmittelbare und unvermittelte Vereinigung mit der Gottheit erleben zu können. Das Mittel, dieses Ziel zu erreichen, ist die Spekulation oder auch die Kraft des Intellekts. Der Weg, der beschritten wird, ist die geistige, erkenntnismäßige Evolution. Diese Methode der stufenmäßigen Entwicklung ist in den verschiedenen Religionen verschieden ausgeprägt. Beim Buddhismus und bei der Anthroposophie geht es um die Reinkarnation (die Wiederverkörperung). Die Höherentwicklung erfolgt durch verschiedene Wiederverkörperungen, bei denen der Mensch die Chance hat, sich von allem Negativen zu lösen und zu läutern.

Die Theosophie der christlichen Ära ist dualistisch ausgerichtet. Das hängt damit zusammen, daß das junge Christentum gegen bisherige heidnische Philosophien eine große Stoßkraft entfaltete. Trotzdem haben vorchristliche Systeme Einbrüche in das christliche Denken erzielt. Eine Reihe von Theologen wurden theosophisch beeinflußt, wie wir noch sehen werden.

Zum Komplex der Theosophie gehört die Mystik. * Zufallsbild *Der Bereich der Mystik ist in allen Zeitepochen so weitreichend, daß wir uns wiederum auf das beschränken müssen, was zu den Wurzeln der Wiederbringungslehre gehört.

In der indischen Mystik herrscht eindeutig die monistische Auffassung vor. Das Ich und das All sind eins. In dieser pantheistischen Form der Mystik soll das Einswerden des Getrennten erlebt werden. Für unser Thema heißt das, der Mensch werde eins mit Gott. Das geschehe auf dem Weg der Kontemplation und Meditation. Der Lichtfunke, aus dem Zentrallicht der Gottheit entsprungen, soll durch die geistlichen Exerzitien zur Lichtflamme auflodern, bis sie in die Lichtfülle der Gottheit eingeht. Reicht ein Leben nicht aus, muß in einer Wiederverkörperung das gleiche Ziel angegangen werden.

Wir stehen hier wieder vor dem monistischen Weg der geistigen Evolution, die ein Grundprinzip der Wiederbringungslehre dar stellt.

In der christlichen Ära wird natürlich der Monismus aufgegeben. Das junge Christentum hat den Entwicklungsbegriff zurück gedrängt.
 

* Zufallsbild *Wenden wir uns nun der Gnosis zu, die am meisten zu der Wiederbringungslehre der Gegenwart beigesteuert hat. Zunächst eine Frage, die in der Auseinandersetzung mit Vertretern der Allversöhnung oft laut wird. Diese Brüder bestreiten den Einfluß der Gnosis auf ihre Theologie mit dem Hinweis: "Wir haben nie Informationen aus dem Bereich der Gnosis gelesen. Wir haben unsere Überzeugung aus der Bibel allein." Es stimmt, daß diese Brüder nie gnostische Schriften gelesen haben, aber weltanschauliche Dinge verbreiten sich nicht nur durch Literatur und Tradition, sondern auch durch metaphysische Gegebenheiten. C. G. Jung würde vielleicht sagen, es gibt auch ein Wissen durch das kollektiv Unbewußte. Daran denke ich bei diesem Problem aber nicht, sondern an einen biblischen Tatbestand. Der Teufel legt von Zeit zu Zeit die gleiche Platte - manchmal mit einer kleinen Veränderung - auf. In der Seelsorge ist mir oft das "Beinerücken" seltsamer Heiler bekannt geworden. Einer der bekanntesten von ihnen, ein Afrikaner, wußte nicht, daß das in USA in extremen Kreisen praktiziert wird. Auf meine Frage, wo er das gelernt habe, antwortete er: "Nirgends. Ich bin selbst darauf gekommen."

Da wir hier bei der Gnosis sind, gebe ich dazu ein gnostisches Beispiel. * Zufallsbild *Im 2. Jahrhundert war Marcion ein führender Gnostiker. Getreu der Gnosis - der menschlichen Vernunft als Erkenntnis prinzip - schnitt er aus dem Neuen Testament alles heraus, was nach seiner Meinung gegen vernünftiges Denken geht. So leugnete er die Jungfrauengeburt, die Wunder, Sühneleiden Jesu, Auferstehung, Himmelfahrt, Wiederkunft. Im 19. Jahrhundert vollzog D. F. Strauß den gleichen Prozeß in seinem Buch "Das Leben Jesu". Im 20. Jahrhundert sind es die Entmythologisierer, die wiederum alles Wunderhafte des Neuen Testamentes als mythologisches und orientalisches Beiwerk ansehen. Natürlich waren Strauß und die modernen Theologen nicht von Marcion abhängig. Sie haben nur das gleiche Erkenntnisprinzip, die menschliche Vernunft.

Eine historische Vorfrage zur gnostischen Bewegung bezieht sich auf die Auseinandersetzung, ob die Gnosis vorchristlichen Ursprungs sei, also orientalisch beeinflußt, oder ob sie nur eine Hellenisierung des Christentums darstelle.

Das gnostische System ist so sehr mit den religiösen und philosophischen Strukturen der vorchristlichen Zeit verbunden und gekoppelt, daß die Gnosis damit ihren vorchristlichen Ursprung bestätigt.

Welche gnostischen Positionen weisen auf die heutige Wiederbringungslehre hin?

Zunächst ist es die Äonenlehre. Aion ist griechisch und heißt Zeit, Zeitspanne. * Zufallsbild *In der gnostischen Literatur wird aion auch hypostasiert, das heißt als Person gedacht. Der erste Äon ist der Schöpfungsäon, der unmittelbar aus Gott hervorging. Der zweite Äon ist die böse Welt mit dem bösen Gott. Die Übergänge von einem Gegensatz zum andern werden mit immer zahlreicheren Zwischenstufen einer fortschreitenden Entwicklung und entsprechenden Mittelwesen ausgestattet, so daß eine ganze Reihe der Äonen entsteht. Zuletzt kehrt der gefallene Äon zu Gott zurück. Die Äonen finden ihren Abschluß im Pleroma (Fülle, Vollzahl, Vollkommenheit).

In dieser gnostischen Lehre tauchen zwei Gedanken auf, mit denen mich die Vertreter der Wiederbringung seit Jahren konfrontieren.

Ich kenne Gemeinschaftsleute in großer Zahl, die folgendes behaupten: Es gibt vier Äonen: der Schöpfungsäon, der Äon der gefallenen Welt, der Erlösungsäon und zuletzt der Wiederbringungsäon. Joh. Michael Hahn soll einmal geäußert haben, der Wiederbringungsäon würde 50 000 Jahre betragen. Dieser Gedanke ist eine Anlehnung an das israelitische Halljahr (50 Jahre).

Der zweite Hinweis, den wir aus der gnostischen Spekulation erhalten, ist der Begriff Pleroma. Nach der Rückführung aller Bösen nach vielen Läuterungsstufen entsteht die Vollzahl, die Endvollendung der Wege Gottes: Gott alles in allen. (1. Kor. 15,28). Der Bruder und Freund, mit dem ich mich jahrzehnte lang wegen der Allversöhnung auseinandersetzen mußte, gebrauchte das griechische Wort pleroma und den Hinweis, daß Gott sei alles in allen. Er wußte bei seinen Behauptungen aber nicht, daß die Gnosis genau die gleiche Terminologie benützte.

Ein weiterer Hinweis auf die Wiederbringung ist in der gnostischen Bewegung die Bedeutung der Erkenntnis. Das griechische Wort gnosis heißt ja Weisheit, Erkenntnis. Erlösung und höheres ethisches Verhalten ist nur auf dem Weg der Erkenntnis möglich. Die Menschen werden in drei Klassen eingeteilt: Hyliker (griech. hyle = Wald, Material), Psychiker (psyche == Seele), Pneumatiker (pneuma = Geist). Das bedeutet: es gibt materielle, seelische und geistliche Menschen. Das Vorankommen auf dieser Leiter der Läuterung ist nicht abhängig von geistlich-biblischen Vorgängen, sondern von dem Prozeß größerer Erkenntnis. Die Gnostiker hielten sich gegenüber Nichtgnostikern als Pneumatiker, die größere Reife durch größere Erkenntnis erlangt haben. Genau so erlebte ich es in Auseinandersetzungen mit Anhängern der Wiederbringung. Sie sagten mir: "Du hast eben noch nicht die weiterführende Erkenntnis." Es klang häufig durch solche Argumente, daß sie sich für fortgeschrittene Christen erster Klasse hielten.

Die erkenntnismäßige Struktur der Gnosis tritt noch in anderer Hinsicht bei der Wiederbringungslehre zum Vorschein. Man sagt dort in diesem Lager: "Gott regiert nicht mit einer Minderheit." Oder: "Sollen zeitliche Vergehen mit ewigen Strafen vergolten werden?" Und andere Argumente kann man hören: "Die Seligkeit der Gläubigen im Himmel sei geschmälert, wenn sie an die Verdammten denken müßten." Das sind drei Argumente, die ich bis zum Überdruß zu hören bekam.

Diese Begründungen sind nicht biblisch fundiert, sondern schieben das Denken, die Gnosis, vor mit dem Hinweis: Ewige Verdammnis ist denkunmöglich. Wir können es uns nicht vor stellen, daß die Verlorenen im ewigen Feuer brennen müssen.

Es ist eine lapidare Wahrheit: Im Reich Gottes geht es nicht darum, was denkmöglich und was denkunmöglich ist, sondern was die Heilige Schrift sagt. Die Gnosis und die davon abhängige Wiederbringungslehre ist nicht ein höherstehendes Christsein, sondern Irrlehre. Es wird an Luthers Erklärung zum dritten Glaubensartikel erinnert:

Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesum Christum, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann.
 

Nicht aus eigener Vernunft! Das ist die Antwort des Reformators, die Antwort der Bibel gegen die Gnosis.

Über das monistische Entwicklungsprinzip haben wir schon mehrfach gehört. Darin steht die Gnosis den anderen Bewegungen der vorchristlichen Zeit nicht nach. Die Gnostiker sagen, wer nicht die Mysterien (Erleuchtung) erlangt, wird wieder in den Kreislauf des Lebens zurückgeschickt. Das heißt also Wiederverkörperung. In der christlichen Zeit fällt die Wiederverkörperung weg, wie wir schon hörten, aber es bleibt die fortschreitende Läuterung nach dem Tode. Das ist das Kernstück im Glaubensbekenntnis der Wiederbringungsleute.

Leider steckt dieser gnostische Entwicklungsplan so sehr in den Köpfen sogar gläubiger Christen, daß sie sich nicht überzeugen lassen. Dieser Fanatismus, der nicht aus dem Heiligen Geist und der Heiligen Schrift kommt, ist nicht ausrottbar, wenn der Herr Jesus nicht selber eingreift.

Bei der Überprüfung der Quellen der Wiederbringungslehre muß auch der Manichäismus erwähnt werden. Gründer dieser Strömung, die man eigentlich zu den Weltreligionen zählen kann, ist Mani. Er ist 215 n. Chr. in Babylonien in der Nähe der Hauptstadt Ktesiphon-Seleucia geboren. In der nicht nachprüfbaren Überlieferung wird berichtet, Mani sei durch den Apostel Thomas für den christlichen Glauben gewonnen worden. Er muß ein hochbegabter Mann gewesen sein, denn er entfaltete ein ausgeklügeltes gnostisch spekulatives System, das sich 1100 Jahre in Vorderasien bis zum fernen Osten in China gehalten hat.

Die vier hauptsächlichsten Quellen, aus denen Mani für sein System Impulse bekam, sind Zarathustra, Buddha, Gnosis, das Christentum. Die Priesterschaft Zarathustras sahen in Mani aber einen Häretiker, den sie zu beseitigen versuchten. Es gelang ihnen, ans Ziel zu kommen. 273 wurde Mani gekreuzigt. Seine Anhänger wurden vertrieben, was zur Folge hatte, daß die Lehren des Märtyrers in andere Länder getragen wurden.

Das ganze manichäische System kann nicht dargestellt werden.

Es geht ja nur darum, die entwicklungsgeschichtlichen Wurzeln der Wiederbringungslehre freizulegen.

Mani gliedert das Weltgeschehen in drei Epochen: Das erste Stadium sind die beiden Reiche des Lichtes und der Finsternis. Der Kampf zwischen beiden Reichen wird als die Auseinandersetzung Gottes mit dem Teuflischen angesehen, als der Prozeß der Vermischung. Diesem Vorgang folgt dann die "Entmischung", der Sieg des Lichtreiches. Der Mensch inmitten dieser Gewalten wird zuerst mit der teuflischen Materie belastet, erkennt aber stufenweise seine wahre Natur. Wer bis zu seinem Tod die volle Entmischung von Licht und Finsternis erlebt hat, kommt nach seinem Sterben in die Lichtwelt. Wer diese manichäische Vollkommenheit nicht erreicht hat, muß durch viele Wiederverkörperungen hin durchgehen. In der reichen, vielseitigen Mythologie Manis findet sich aber nicht nur die Reinkarnation, sondern auch die gnostische Spekulation vom Aufstieg und Vervollkommnung der Seele nach dem Tode.

Wir stehen hier an einem entscheidenden Punkt. Im christlichen Glauben gibt es, wie wir gehört haben, keinen Platz für Wiederverkörperung. Christliche Theologen sind aber zum Teil dem anderen Mythos vom Aufstieg und Läuterungsstufen nach dem Tode zum Opfer gefallen.

Nennen wir einige Namen

Origenes ist als erster Theologe zu nennen, der die christliche Theologie mit der Gnosis vermischte. Er ist 185 in Alexandria geboren. Neben der Bibel waren ihm die platonischen Schriften, die Stoiker und die valentinianische gnostische Schule die Grundlagen seiner Lehrauffassung. Sein theologischer Standpunkt wird an seiner Aussage deutlich, daß das gnostische Wissen die allgemeine kirchliche Lehre überrundet und vervollkommnet. Roy Hession, der englische Evangelist sagte einmal, es gäbe Jesus Pluschristen. In diesem Sinn war Origenes ein Bibel Pluschrist, weil er nicht in der Bibel, sondern in dem spekulativen System der Gnosis die Vollendung sah.

Kein geringerer als der bekannte Kirchenhistoriker Adolf von Harnack schrieb über diese Einstellung von Origenes in RGG IV, 783 folgendes:

"Die volle, innerlich befreiende Wahrheit empfängt man da durch noch nicht, daß man ein gläubiges Mitglied der christlichen Kirche ist. Denn die volle Wahrheit liegt nicht in der Sphäre der Historie, der Autorität und des Glaubens, sondern in der Sphäre des Erkennens und Wissens (der Gnosis), zu der sich jene andere Sphäre wie die notwendige Vorstufe verhält. Die Gnosis ist nicht jedermann zugänglich, und nicht jedermann dringt bis an das Ende und Ziel derselben vor. Aber nicht eherne Schranken sperren die Gläubigen und die Wissenden voneinander ab, vielmehr besteht eine Stufenleiter. Die Gläubigen und Wissenden sind dadurch miteinander verbunden, weil sie aus derselben Quelle schöpfen, der Bibel."

Diese Darstellung der Theologie von Origenes zeigt, daß der Wissende einige Stufen höher steht als der Bibelgläubige. Die Bibel ist nur Vorstufe.

Dieser Theologe stand also im Gegensatz zu der bibelorientierten Lehre der Kirche. Kein Wunder, daß er als Häretiker vielen Angriffen ausgesetzt war. Als Origenes auf seiner Reise nach Griechenland in Caesarea zum Presbyter geweiht wurde, machte Bischof Demetrius von Alexandrien diese Würde rückgängig und verbannte Origenes aus Alexandrien. Später verfaßte der Verbannte eine Verteidigungsschrift seiner Theologie und sandte sie an die bekanntesten Bischöfe seiner Zeit. Es gelang ihm aber nicht, die Bedenken zu zerstreuen. Eine unlösliche Spannung zur herrschenden Gemeindetheologie blieb bestehen.

Aber Origenes ist einer der Kronzeugen für die Wiederbringungsleute. Sein Beispiel zeigt, daß nicht nur einfache, ungebildete Leute Häresien anheimfallen, sondern auch die oberste Intelligenzschicht. Origenes gilt ja als der fähigste Theologe seiner Zeit.

Im 9. Jahrhundert war es Scotus Erigena, der in seiner Lehre einen Synkretismus von griechischer Spekulation, Mystik und christlichem Glauben vertrat. Dreißig Jahre lang (850-880) leitete er am Hof Karls des Kahlen die Hochschule. Seine Theologie weist die Abhängigkeit von der Gnosis nach. Die Welt ist eine Emanation Gottes, verfällt dem Bösen und wird durch Christus erneuert, dessen Wirksamkeit der Anfang zur Rückkehr der Welt zu Gott bedeutet. Dieser Prozeß des Werdens, Vergehens und Wiederbringung vollzieht sich so, daß die Vernunft den Vorgang vor der Autorität der Bibel hat. Er erregte damit den Zorn der kirchlichen Führer. Das führte zu seiner Verurteilung als Häretiker. Auch Scotus Erigena ist ein Bindeglied in der Beweiskette der Vertreter der Wiederbringung.

Zu Beginn der Neuzeit ist als spekulativer Zwischenträger der Wiederbringungsgedanken Jakob Böhme (1575-1624) zu nennen. Er war ein Schuhmachermeister, der sich aber durch ein selbständiges Denken auszeichnete, was ihm den ehrenvollen Beinamen philosophus teutonicus einbrachte. Böhme war von der Mystik und der Alchimie beeinflußt. Seine Entwicklungsstufen zu dem Problem Gott und Natur weisen eine formale Verwandtschaft zu der neuplatonischen Kosmogonie (Entstehung der Welt) auf. Zweimal kam er mit kirchlichen Instanzen in Konflikt, die seine nicht schriftgemäßen Thesen beargwöhnten. In kleinen Kreisen, die auch den evolutionistischen Spekulationen zuneigten, lebte Böhmes Mystik und Theosophie weiter.

Ein Theologe, der hauptsächlich aus der Bibel, aber auch aus der theosophischen Quelle Böhmes sich nährte, ist Johann Albrecht Bengel (1687-1752). Bengel ist eine überragende Gestalt der schwäbischen Kirche. Er gab 1734 das erste Neue Testament mit textkritischem Apparat heraus. Bleibende Frucht brachte seine Auslegung des Neuen Testaments, das Gnomon, das ich als Student benützte und bis heute besitze. Aber auch dieser große Mann war für Spekulationen offen. Anhand der Offenbarung bestimmte er als Zeitpunkt der Wiederkunft Jesu das Jahr 1836 (Sind es Druckfehler, daß andere Berichte vom Jahr 1837 und 1846 sprechen?) Professor Althaus sagte zu dieser Art Eschatologie: "Die Künstelei der Endberechnungen darf nicht über den großen Zug dieser Theologie (Bengels) täuschen... Durch Bengels Einfluß kam der Chiliasmus (Lehre vom tausendjährigen Reich) auch in der lutherischen Kirche zur Anerkennung. Die Kirche der Reformation hat ja die Annahme vom tausendjährigen Reich verdammt. (Artikel XVII confessio Augustana).

Im Blick auf das spekulative Element und die visionär bedingten Ansichten bei Bengel verweise ich auf den Beitrag von Prof. Beyreuther im Evangelischen Gemeindelexikon, Seite 411, wo es heißt:

"Der schwäbische Pietismus zeigte sich gegenüber der typisch reformierten Strenge grüblerisch und der Spekulation zugeneigt. Den puritanischen Erbauungsbüchern gegenüber war man zurückhaltend und öffnete sich lieber der Theosophie Böhmes."

Ein Schüler und Freund Bengels ist Friedrich Christoph Oetinger (1702-1782). Bei ihm tritt das Spekulative noch viel stärker hervor als bei Bengel. Oetinger hat aus vielen, zum Teil sehr trüben Quellen geschöpft: der Alchimie, der Kabbala, der Mystik, der Theosophie Böhmes, der spanischen Mystik, und natürlich wurde er von den eschatologischen Visionen Bengels beeinflußt. Verheerend wirkte sich Swedenborg in Oetingers spekulativem System aus. Dieser Spiritist bestimmte Oetingers Meinung von der Weiterentwicklung des Menschen nach dem Tode. Die Kirchenbehörde war mit seinen durch Swedenborg gefärbten Veröffentlichungen nicht einverstanden und verbot ihm daher weitere Publikationen in dieser Richtung. Am meisten erregte Oetingers Büch "Swedenborgs und anderer irdische und himmlische Philosophie" aus dem Jahr 1765 Ärgernis bei Theologen und gläubigen Laien. Seine Kritiker brachten wegen dieser Schrift einen Spitznamen auf und nannten Oetinger "Magus des Südens" (Zauberer des Südens). Emmanuel Hirsch erklärte, Oetinger befinde sich auf Nebenwegen.

In meiner Studentenzeit in Tübingen, wo ich auch zum Dr. theol. promovierte, mußte ich mich mit Oetinger befassen. Schon damals wurde ich als junger Student über Oetinger nicht froh. Diese Abneigung habe ich nie mehr überwunden. Hören wir einmal, was Guntram Spindler im Pfarrkalender 1982 über Oetinger schreibt:

"Mit Rückgriff auf den Grundgedanken der Signaturlehre Böhmes, wonach das ,Innere', Unsichtbare, der Dinge durch das Äußere, Sichtbare, dargestellt wird und umgekehrt ,die Signatur des Äußeren als ein Bild alles Inneren" anzusehen ist, will er unter Hinzufügung bestimmter Elemente der Lehre von den Entsprechungen bei Swedenborg sowie von solchen der klassischen Emblematik eine ,Theologia emblematica' erstellen." Was ist hier gemeint? Ein Emblem ist ein Sinnbild, ein Symbol. Oetinger will nun von natürlichen Sinnbildern, die sichtbar sind, auf das Unsichtbare schließen. Man könnte das auch eine theologia naturalis nennen, die in Röm. 1,20 angedeutet ist. Um dieses Problem der Entsprechung des Sichtbaren mit dem Unsichtbaren geht es in unserer Fragestellung nicht, sondern um die Tatsache der unbiblischen Quellen. Am Taufbecken der Theologia emblematica stehen der Mystiker und Theosoph Böhme und der undefinedSpiritist Swedenborg als Paten.

Vielleicht ist die andere Überzeugung Oetingers noch lästerlicher, wenn er sagt, daß die Erkenntnisse der Kabbala und Böhmes die gleichen seien, aus denen auch die Heilige Schrift geschrieben worden ist. Er benützte auch das kabbalistische Hauptwerk Sohars in Kombination mit den "sieben" Qualitäten Böhmes, um die Selbstoffenbarung Gottes symbolisch zu illustrieren.

Oetinger ist ohne Zweifel ein universaler Geist, der fast alles Wissen seiner Zeit anging, aber eines kommt nach meiner Meinung zu kurz, daß die Vernunft unter den Gehorsam Christi gestellt wird.

Für unsere Linienführung ist das bedeutsamste, daß er die Weiterentwicklung des Menschen nach dem Tode der Theosophie und dem Spiritismus entnommen hat. Als Student hörte ich in Tübingen durch meinen Freund Theo Hauser folgenden Spruch, den Oetinger geäußert haben soll:

"Wer an die Allversöhnung nicht glaubt, ist ein Ochs. Wer sie aber verkündigt, ist ein Esel."

Die Sonderlehre der Wiederbringung bekommt beinahe in jedem Jahrhundert neue Anhänger und Bekenner. Als jüngerer Zeitgenosse und teilweise Schüler von Oetinger ist Johann Michael Hahn zu nennen (1758-1819). Mit 22 Jahren wurde dieser Bauernsohn durch eine Karfreitagspredigt erweckt und fand dadurch den Weg zu Gott. Hahn nannte dieses Erlebnis "Zentralschau". Von diesem Erlebnis her, das wir seine Bekehrung nennen können, entfaltete er ein reiches geistliches Leben. Obwohl er nur eine geringe Schulbildung besaß, wurde er zu einem tiefgründigen Schriftausleger. Gott segnete ihn mit der Entstehung vieler Hauskreise und Gemeinschaften. Ich habe große Hochachtung vor diesem Bruder, der ein Leben der Heiligung führte wie wenige seiner Zeitgenossen. Man nenne mich nicht sentimental, wenn ich sage, daß ich diesem Bruder in der Ewigkeit begegnen möchte, vorausgesetzt, daß ich dahinkomme, wo er sich befindet.

Angesichts dieses geheiligten und geistlich lauteren Bruders fällt es mir schwer, das folgende zu schreiben. Leider hat Hahn vom Sauerteig der Theosophie gegessen. Die RGG II, 1579 sagt über ihn aus: "Hahn ist theosophischer Pietist. Die Bibel ist ihm Haupterkenntnisquelle. Daneben hat er Begriffe wie Tinktur und andere von Böhme und Oetinger übernommen." Das führte zu seiner Sonderlehre von der Wiederbringung aller, auch des Teufels. Dr. Grünzweig schrieb Im Evangelischen Gemeindelexikon dazu: "Hahn sprach von einem Weiterwirken Gottes in der Ewigkeit durch lange, schwere Gerichte hindurch bei allen zum Leben." Um seiner Sonderlehre willen wurde er mehrfach bei staatlichen und kirchlichen Behörden verklagt. Trotzdem blieben er und seine Anhänger in der Volkskirche.

Wir bringen die Zeugenreihe zum Abschluß und geben für die Zeit nach Hahn nur noch die Namen derer, die das spekulative Element für die Weiterentwicklung nach dem Tode vertreten haben.

Zu diesen Männern gehören: Schleiermacher (1768-1834) und sein Meisterschüler Alexander Schweizer, Pfarrer am Großmünster in Zürich.

Aufschlußreich ist für mich, was Prof. Althaus in der RGG V, 1908 über die Wiederbringungslehre schreibt: "Im Christentum ist der Glaube an Wiederbringung von jeher auf eigenbrötlerische Naturen, vor allem Schwärmer und Sektierer beschränkt geblieben wie die Brüder des freien Geistes, das pietistische Ehepaar Petersen im Gefolge der Jeane Leade, Oetinger, Hahn und andere." Das ist eine unfreundliche Rubrizierung, aber zeigt immerhin, daß Theologen von Rang die Allversöhnungslehre verwerfen. Ich sprach einmal mit Prof. Dr. Helmut Thielicke über die Allversöhnungslehre. Er erklärte: "Die Allversöhnung bricht dem Evangelium die Spitze ab." Die norddeutsche Christenheit ist nüchterner als die süddeutsche. Sie nennen die Schwaben "Spintisierer".

Im 20. Jahrhundert traten dann wieder ganze Scharen von Wiederbringungslehrern auf. Ich erwähne nur, die ich persönlich kennenlernte. Es sind: Pfarrer Böhmerle, Pfr. Beck, Pfr. Hauser, Heller, Geier, Borngräber und der ehemalige Liebenzeller Missionar Robert Schadt. Mit all diesen Brüdern bin ich zusammengetroffen. Bruder Schadt sagte ich manchmal: "Robert, wir sind die besten Freunde, nur deine Allversöhnungslehre muß ich ausklammern." Einer dieser erwähnten Brüder sagte mir einmal wörtlich: "Ich finde auf jeder Seite der Bibel die Bestätigung der Allversöhnung."

Bis jetzt sind Bibel und die reformatorische Auslegung noch nicht erörtert worden. In der Augsburgischen Konfession lautet der Artikel XVII: Derhalben werden die Wiedertäufer verworfen, so lehren, daß die Teufel und verdammte Menschen nicht ewige Pein und Qual haben werden." Dieser Artikel hat nicht verhindert, daß in Süddeutschland die pietistischen Gemeinschaften - auch die, die sich speziell auf die Augsburgische Konfession berufen - dieser theosophischen Erweichung der biblischen Aussagen zum Opfer gefallen sind. Eine Ausnahme bilden die neupietistischen Gruppen, die diesem Trend der Spekulation nicht gefolgt sind.

Lehrt die Bibel die Allversöhnung?

Die Vertreter der Wiederbringung aller Dinge sagen ja und führen dazu zwei Kardinalstellen an: Apg. 3,21 und 1. Tim. 2,4. Es heißt dort:

"Jesus Christus muß den Himmel einnehmen bis auf die Zeit, da wiedergebracht werde alles, was Gott geredet hat." "Gott will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen."

Beide Stellen werden von den Wiederbringungsleuten kurzschlüssig ausgelegt. Es muß alles wiedergebracht werden, was Gott geredet hat. Die Männer Gottes und Propheten des Alten Bundes haben nicht nur vom Heil Gottes geredet, sondern auch starke Gerichtsdrohungen Gottes weitergegeben. Lese man gründlich die drei großen Propheten Jesaja, Jeremia, Hesekiel. Die Vertreter der Wiederbringung nehmen aber einzelne Bibelworte aus ihrer Spannung heraus. Jede Aussage der Bibel muß auch von seinem Komplementärbegriff her beleuchtet und verstanden werden.

"Schaffet eure Seligkeit mit Furcht und Zittern. Aber Gott ist es, der Wollen und Vollbringen wirkt." (Phil. 2,12) Wer sich nur an die erste Aussage hält, gerät in die Verzweiflung. Wer nur die zweite Aussage beherzigt, der wird leichtsinnig, oberflächlich.

Die Auflösung der biblischen Spannung ist ein markantes Merkmal der Häretiker. So hat vor Jahren ein Prof. Dr. Stähelin an der Basler Universität eine Rektoratsrede über die Allversöhnung gehalten und dabei alle biblischen Zitate benützt, die dafür geeignet sind. Die Komplementärworte ließ er weg. Damit war die Spannung aufgelöst, und das ist stets der Beginn einer Irrlehre. Ich wunderte mich, daß ein Akademiker dieses Ranges eine so naive und einseitige Bibelauslegung sich leistete.

Warum beachten die Häretiker nicht das Wort "alles". Darin liegt nicht nur Heil, sondern auch Gericht: Alles, was Gott geredet hat.

Bei der Auslegung des Wortes aus 1. Tim. 2,4 wird wieder kurzschlüssige Auslegung betrieben. Ein Vertreter der Wiederbringung, es war sogar ein Freund von mir, sagte: "Wenn Gott etwas will, dann führt er es auch durch." Ich hielt ihm Mt. 23,37 entgegen, wo Jesus sagt:

"... wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen... aber ihr habt nicht gewollt."

Jesus wollte, aber Israel wollte nicht. Gott hat dem Menschen die Freiheit gelassen, nein zu sagen. Bekannt ist Luthers Satz: "Jasagen ist Gnade, Neinsagen ist Schuld."

Wir wiederholen die Frage: "Lehrt die Bibel die Allversöhnung?" Darauf gibt die Heilige Schrift ein klares Nein.

Den Ansatzpunkt der Allversöhnung finden wir bereits auf den ersten Seiten der Bibel.

1. Mose 2,17: "Von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben.

1. Mose 3,4: "Die Schlange sprach zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben."

Gott sagte: "Ihr werdet sterben." Satan sagte: "Ihr werdet nicht sterben." Wer hat nun recht?

Der springende Punkt der Wiederbringungsleute ist die Ausein andersetzung um die Höllenqualen. Ist die Höllenpein ewig oder zeitlich begrenzt? Hören wir dazu Schriftstellen:

Daniel 12,2: "Und viele, die unter der Erde schlafen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zu ewiger Schmach und Schande."

Matthäus 25,46: "Und sie werden in die ewige Pein gehen, die Gerechten aber in das ewige Leben."

Markus 9,43 f.: "... das ewige Feuer, wo ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht erlischt."
 

Die Bibel spricht also von

  • der ewigen Verdammnis (Mark. 3,29)
  • dem ewigen Gericht (Hebr. 6,2)
  • dem ewigen Feuer (Jud. 1,7).

Auf diese Bibelstellen geben die Anhänger der Allversöhnungslehre prompt die Antwort der gnostischen Irrlehre: ewig heißt nicht unendlich, sondern der Äon ist ein Zeitabschnitt.

Ich erinnere mich sehr gut an den Tag, da ich mit einem Freund in Heidelberg über diesen Punkt sprach. Er wollte mir die gnostische Äon-Auffassung plausibel machen. Ich erwiderte ihm mit einer Bibelstelle aus Römer 16,26. Dort wird vom ewigen Gott (aionios theos) gesprochen. Wenn ewig nur einen begrenzten Zeitabschnitt bedeutet, dann heißt das, daß wir nur einen zeitlich begrenzten Gott haben. Der Freund blieb mir darauf die Antwort schuldig.

Noch einen anderen Hinweis kann ich geben. Vor einigen Jahren traf ich in Adelaide, Australien, Prof. Dr. Hermann Sasse, der aus Enttäuschung über die Entwicklung der lutherischen Theologie Deutschland verlassen hatte. In einem ausgezeichneten Artikel weist Sasse nach, daß hinter dem Begriff Aion die Vorstellung einer zeitlosen Ewigkeit steht. Er gibt auch die Quellen dafür an, daß dem griechischen Begriff Aion der persische Begriff Zrvan akarana = unendliche Zeit gegenübersteht. Die Anhänger der Allversöhnung müßten sich von ihrem naiven und unbiblischen Ewigkeitsbegriff lösen lassen.

Buchvorstellung

Ein Beitrag zur Unterscheidung echter und unechter Gaben.
Echte und unechte Erweckungen, falsche Zungengabe.

190 Seiten, 3,- €

Menschen berichten...

Ein Evangelist predigte: "Es gibt viele Religionen, aber das Christentum ist keine Religion, sondern die Lebenshingabe an Jesus." Einige Monate danach vollzog Juvan den Schnitt mit der Religion der Väter. Jeder Brahmane trägt um den Leib eine heilige Schnur als Zeichen seiner Kaste. Diese Schnur zerschnitt er und ebenso die heiligen Fransen...

Aus dem Buch "undefinedIm Himalaja"

Erweckung

"Erweckung ist nichts anderes, als Gott gegenüber erneut gehorsam zu werden." (Charles Finney in dem Buch "Revival of Religion")

Zitat Dr. Koch

"Niemand nimmt okkulte Kräfte ungestraft in Anspruch."